Wie wir als Startup in der Corona Krise unsere Liquidität gesichert haben

Die Corona-Krise ist auch an uns nicht spurlos vorüber gegangen: Unser größter Kunde hat seinen Auftrag zurückgezogen und Neugeschäfte werden voraussichtlich erst einmal ausbleiben. Viele befreundete Unternehmer haben uns gefragt, wie wir unser Fortbestehen sichern und welche Tipps wir für sie haben. Daher möchten wir in diesem Post mit euch teilen, wie wir letzte Woche auf diesen Rückschlag reagiert haben. An dieser Stelle sei auch ein herzliches Dankeschön an die gesamte Startup Community gerichtet, von der wir zahlreiche Tipps und Support erhalten haben. Aber nun zu unserem Vorgehen: 

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KURZARBEIT

Aufgrund des fehlenden Auftragsvolumens haben wir im ersten Schritt Kurzarbeitergeld beantragt. Hierbei übernimmt die Bundesagentur für Arbeit 60% des ausgefallen Netto-Entgelts (bzw. 67 % bei ArbeitnehmerInnen mit Kindern). Bevor ihr Kurzarbeitergeld beantragen können, muss der Arbeitsausfall zunächst bei der zuständigen Dienststelle angezeigt werden. Dies kann sowohl per Post, als auch über die e-Services der Agentur für Arbeit erfolgen. Dort könnt ihr den Antrag (Vordruck Kug101) direkt online ausfüllen. Im Anschluss daran entscheidet die Agentur für Arbeit, ob die betrieblichen Voraussetzungen für Kurzarbeitergeld vorliegen.

Welche Voraussetzungen gibt es für Kurzarbeitergeld?

  • Im Rahmen der Kurzarbeit durch Corona reicht es für den Antrag, wenn es bei 10% (statt zuvor 1/3) der Arbeitnehmer zu einem Ausfall von 10% ihres Bruttogehalts kommt.
  • Die Regelung trifft nicht auf Kollegen zu, die das Rentenalter erreicht haben oder Rente beziehen, oder eine geringfügige oder unständige Beschäftigung ausüben.
  • AG und AN müssen zuvor alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben um Kurzarbeit zu verhindern. Dies schließt den Abbau von Überstunden sowie Urlaub aus dem vergangenen Jahr mit ein.
  • Für Unternehmen ohne Betriebsrat gilt: Die betroffenen Mitarbeiter müssen der Kurzarbeit zustimmen. Das ausgefüllte Formular müsst ihr eurem Antrag anhängen. Eine Vorlage für diese Einverständniserklärung findet ihr hier

Das Merkblatt mit allen Voraussetzungen findet ihr in dieser Übersicht der Bundesagentur für Arbeit.

Beantragung

  • Die Beantragung könnt ihr erst nach der Anzeige über Arbeits- und Entgeltausfall stellen. 
  • Die Anzeige sollte spätestens am letzten Tag des Monats erfolgen, in dem die Kurzarbeit erstmals eingetreten ist. Das Kurzarbeitergeld kann rückwirkend für den Monat, in dem es eingereicht wurde, beantragt werden. Solltet ihr den Antrag per Post verschicken, zählt der Eingangsstempel bei der Agentur für Arbeit, nicht das Absendedatum!
  • Das Kurzarbeitergeld kann für längstens 12 Monate gewährt werden.
  • Sollten wieder Aufträge eingehen, kann das Kurzarbeitergeld unterbrochen werden. Bei einer Unterbrechung von mehr als 3 Monaten muss das Kurzarbeitergeld neu beantragt werden.

Auszahlung des Kurzarbeitergeldes und Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen

  • Denkt daran, Kürzungen von Gehältern an eure Steuerberatung weiterzugeben. 
  • Der Arbeitgeber muss sich normalerweise mit 80 % an den Sozialversicherungsbeiträgen beteiligen. Im Rahmen der Corona Krise wurde jedoch eine Übernahme von 100% der anfallenden Sozialversicherungsbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden beschlossen. Weitere Neuerungen findet ihr unter folgendem Link der Bundesagentur für Arbeit.
  • Der Arbeitgeber zahlt das Geld für geleistete Stunden an den Arbeitnehmer, sowie das Kurzarbeitergeld an den Arbeitnehmer aus. Diese muss der Arbeitgeber selbst errechnen und in Vorleistung gehen.
  • Dann wird nachträglich ein Leistungsantrag an die Agentur für Arbeit gestellt, indem monatlich das Kurzarbeitergeld aufgestellt wird, um die nachträgliche Erstattung zu beantragen (innerhalb von 3 Monaten nach Auszahlung des Abrechnungsmonats).
  • Für die Berechnung des Kurzarbeitergeld könnt ihr folgende Tabelle der Agentur für Arbeit nutzen: https://www.arbeitsagentur.de/datei/kug050-2016_ba014803.pdf.

KÜRZUNG DER GESCHÄFTSFÜHRER GEHÄLTER

Für unsere Gründer und Geschäftsführer lag der Gedanke nahe, bei einem Liquiditätsengpass auch ihr eigenes Gehalt herabzusetzen. Dabei mussten wir jedoch einige steuerrechtliche und formelle Aspekte beachten. Im Rahmen eines Gesellschafterbeschlusses mussten Höhe, Dauer und etwaige Nachzahlungsverpflichtungen bei wirtschaftlicher Besserung festgelegt werden. Sollte das Gehalt bei wieder eintretender wirtschaftlicher Besserung nachgezahlt werden, so kann dies über die Stundung des Gehalts oder eine Besserungsklausel beschlossen werden. Wichtig ist, dass die Gehaltskürzung auch einem Fremdvergleich stand hält. Das bedeutet, dass auch ein nicht Gesellschafter oder fremd eingesetzter Geschäftsführer die Kürzung akzeptieren würde.

Zusätzlich darf die steuerrechtliche Seite nicht vernachlässigt werden. Wesentlich für die steuerliche Anerkennung des Vertrags eines Gesellschafter-Geschäftsführers ist u.a. die Zahlung des vereinbarten Gehalts. Ein vollständiger Gehaltsverzicht scheidet damit aus. Insbesondere für beherrschende Gesellschafter-Geschäftsführer hat das Bundesfinanzministerium neue Vorschriften erlassen. Diesen zufolge spielt es bei der Besteuerung keine Rolle mehr, ob das Gehalt tatsächlich gezahlt worden ist; entscheidend ist die Fälligkeit. Laut BFH gilt: „Wurde der Anspruch auf Gehalt vor dem Zeitpunkt der Entstehung einvernehmlich aufgehoben, darf keine Lohnsteuer erhoben werden.”

Weitere Informationen zur Besteuerung, auch für Gesellschafter-Geschäftsführer mit einer geringeren Beteiligung, sowie Fremdgeschäftsführer, findet ihr hier.

STUNDUNG VON MIETZAHLUNGEN

Die Miete für unser Büro im herzen Münchens ist ein wirklich großer Kostenblock. Wir haben unserem Vermieter geschrieben und um Stundung der Miete gebeten. Wir waren hier sehr positiv überrascht wie schnell und unkompliziert er unseren Vorschlag akzeptiert hat. Wir möchten unserem Vermieter an dieser Stelle herzlich für das Entgegenkommen danken! Wir empfehlen euch, eure Vermieter zu kontaktieren. Fragt, ob ihr über eine gemeinsame Lösung diskutieren könnt. Diese könnte eine Stundung der Mietzahlungen oder einen teilweisen Erlass beinhalten. 

Im Rahmen der Corona Krise haben bereits viele Vermietungsgesellschaften Zusprüche zur Mietminderung getätigt. Selbst der Verband der Vermieter Haus & Grund hat kürzlich die Verhandlung zwischen Mietern und Vermietern empfohlen. Auch der Zentrale Immobilien Ausschuss mit mehr als 37.000 Mitgliedern hat gestern veröffentlicht, Mietzahlungen, bspw. für Selbstständige, für bis zu drei Monate zu stunden.

Die meisten Vermieter haben ein Interesse an dem Fortbestand der Mietverträge. Stelle jedoch die Zahlungen nicht einfach ein, sondern sprecht dies vorher mit euren Vermietern ab. Grundsätzlich gilt zurzeit jedoch, dass Vermieter den Mietern nicht kündigen dürfen, sofern diese ihre Miete wegen der Corona-Krise nicht mehr zahlen können.

STUNDUNG ODER HERABSETZUNG VON STEUERN

Bei vielen Unternehmen wurden die Einkommenserwartungen für das Geschäftsjahr 2020 durch Umsatzeinbußen infolge der Corona Krise bereits deutlich gemindert. Hier kann es Sinn machen, einen Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlungen zu stellen, um die Liquidität zu gewährleisten. Die folgenden Anträge auf Herabsetzung und Stundung von Steuern könnt ihr stellen:

  • Einkommens- und Körperschaftssteuer können in Absprache mit dem zuständigen Finanzamt zinslos gestundet werden. 
  • Zusätzlich können Steuervorauszahlung für Zwecke der Gewerbesteuer-Vorauszahlung entweder herabgesetzt oder komplett ausgesetzt werden. 
  • Um die Gewerbesteuer-Vorauszahlung auf Null zu reduzieren, muss ein Antrag bei der Stadtkasse SKA 4.1 Gewerbesteuer gestellt werden.

Mit Hilfe dieses Antrags könnt ihr Steuererleichterungen wegen der Auswirkungen der Corona Krise beantragen. Die Stundung der Beiträge kann im Rahmen der Corona Krise zinslos erfolgen. Zusätzlich soll auf Säumniszuschläge sowie strenge Anforderungen in der Beantragung verzichtet werden. Beachtet für die Beantragung jedoch die jeweiligen Fristen, zu denen die Vorauszahlungen fällig werden. 

STUNDUNG VON SOZIALVERSICHERUNGSBEITRÄGEN

Wie bei den meisten Startups sind unsere Personalkosten und die damit verbundenen Nebenkosten der höchste Posten in unserem Budget. In Ausnahmefällen kann daher die Stundung von Sozialversicherungsbeiträge gewährt werden. Ausnahmefälle bestehen, wenn ein Unternehmen aufgrund der kritischen wirtschaftlichen Lage in Zahlungsschwierigkeiten kommt. Die Stundungsanträge werden direkt bei den Krankenkassen eingereicht. Weitere Informationen dazu findet ihr ebenfalls bei der IHK. Bei Kurzarbeit werden die Sozialversicherungsbeiträge außerdem von der Bundesagentur für Arbeit erstattet.

SOFORTHILFE

Einer unserer ersten Schritte war es, beim Land Bayern Soforthilfe zu beantragen. Das Land Bayern bietet Selbstständigen und gewerblich tätigen Unternehmen, deren Betriebsstätte sich in Bayern befindet, Soforthilfe zwischen 5000€ und 30.000€ an. Abhängig ist der Betrag von der Mitarbeiterzahl. Zum Antrag kommt ihr über diesen Link.

Euren Antrag könnt ihr auch per E-Mail einreichen. Ihr müsst zunächst nur das Formular, ohne jegliche weitere Informationen versenden. Weitere erforderliche Unterlagen und Informationen können jedoch im Nachgang von der Behörde angefordert werden. Eure zuständige Bewilligungsbehörde, sowie weitere Informationen, findet ihr auf der Website des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.

Natürlich bieten auch alle anderen Bundesländer länderspezifische Soforthilfe Pakete an. Einen Überblick über die Regelungen je Bundesland hat die Gründer daily Redaktion hier zusammengestellt.

KREDITE 

Die LfA Förderbank Bayern bieten Liquiditätshilfe durch Universal- und Akutkredite, sowie Risikoübernahmen in Form von Bürgschaften an. Weitere Informationen zur LfA findet ihr hier. Für junge Unternehmen könnte außerdem der ERP- Gründerkredit relevant sein. 

Die Beantragung und Auszahlung von Krediten durch die kfw oder die LfA erfolgt jeweils über eure Hausbank. Voraussetzung für die Gewährung der Kredite ist selbstverständlich ein grundsätzlich tragfähiges Geschäftsmodell. Im Rahmen der Beantragung müssen die folgenden Unterlagen bei eurer Bank eingereicht werden: 

  • letzten vorliegende Steuerbescheid (nebst Steuererklärung)
  • letzten vorliegenden Jahresabschluss
  • BWA inkl. Summen- und Saldenliste 
  • plausibler Liquiditätsplan bis Ende 2020 
  • Ertragsvorschau für 2021 und 2022
  • eine vertrauliche Selbstauskunft und Schufa-Klausel (die Formulare erhaltet ihr von eurer Hausbank), 
  • Unternehmensbeschreibung, Entwicklung, Auswirkungen des Corona Virus, sowie durchgeführte und geplante Maßnahmen zur Deckung der Liquidität. 

Je nach Bundesland bzw. Bankinstitut kann es individuelle formale Anforderungen geben. Im Rahmen der Corona Krise gibt es außerdem folgende Neuerungen: Die Anträge werden verschlankt, Zinsen wurden herabgesetzt und KMU’s erhalten eine Haftungsfreistellung von 80 – 90% abhängig vom Kredit.

WAS WIR GELERNT HABEN

Das gesamte Team hat intensiv zusammengearbeitet und wir haben gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen der Krise gefunden. Jeder einzelne steht voll hinter der Firma und ist bereit seinen Beitrag zu leisten, auch wenn dies für jeden Einzelnen mit persönlichen Einbußen verbunden ist. Besonders in einer Krise ist das nicht selbstverständlich. Wir sind als Team noch enger zusammengewachsen. Ich bin sehr dankbar, dass wir so einen starken Zusammenhalt zeigen und ich Teil dieses Teams bin.

Ich möchte euch natürlich auch nicht die Schwierigkeiten vorenthalten. Besonders für uns als junges Unternehmen ist es keine leichte Zeit. Die Corona Krise stellt uns vor sehr schnell eingetretene Herausforderungen:  Die Zusammenarbeit aus dem Home Office, Auftragsausfälle und Liquiditätsengpässe. Wir haben unser Recruiting pausiert, geplante Stellen bleiben vorerst unbesetzt. Wir mussten vielen talentierten Bewerbern absagen, mit denen wir gern zusammen gearbeitet hätten.  Wir hoffen zwar, dass wir die Gespräche wieder aufnehmen können, aber wann es soweit ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch schwierig vorherzusehen. Gemeinsam stehen wir die Krise durch! Bei Fragen helfen wir euch gerne jederzeit weiter und freuen uns über eure Kommentare. 

Weitere hilfreiche Links, Info’s und Beratungsstellen

  1. https://www.pwc.de/de/startups/finanzielle-unterstuetzung-von-startups-und-kmu-in-der-covid-19-krisenlage.pdf
  2. https://www.etl-rechtsanwaelte.de/aktuelles/das-coronavirus-und-seine-arbeitsrechtlichen-folgen 
  3. https://www.haufe.de/download/pandemie-handlungshilfen-510634.pdf 
  4. https://www.techstars.com/the-line/advice/11-tips-for-startup-survival-during-covid-19 
  5. https://www.ihk-muenchen.de/de/Service/Recht-und-Steuern/Arbeitsrecht/Bestehende-Arbeitsverh%C3%A4ltnisse-K%C3%BCndigung-und-Sozialversicherung/Corona-Virus-Dienstreisen-Arbeitsausfall-Arbeitsschutz/

 

Disclaimer: Dieser Artikel stellt keine rechtliche Beratung dar. Wir berichten ausschließlich von unserer eigenen Recherche und unseren Erfahrungen. Wir übernehmen keine Garantie für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hier veröffentlichten Informationen. Beachtet bitte, dass die Stundung von Beiträgen nur ein Aufschub ist. Lediglich der Zeitpunkt der Fälligkeit wird verschoben.

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Von Louisa Hasse | 25.03.2020 | Entrepreneurship

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